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Mitternachtsgeschnetzeltes

Aus der Reihe
„Dinge, für die es sich zu leben lohnt, wenn es eigentlich nichts mehr gibt, wofür man leben will“, heute:
Orgasmen.
Die einzigen Höhepunkte in tristen und verzweifelten Tagen. Sie sind schnell und einfach zuzubereiten und man hat alles, was man dafür braucht, jederzeit im Haus.

~~*~~

An der Freien Uni Berlin ist es seltsam. Überall diese Stille, die in der vorlesungsfreien Zeit über dem Quartier liegt. Spatzen betteln nach Krümeln, zwei ausländische Geschäftsmänner sitzen auf den Bänken mit hölzernen Brüsten und Penissen (die Bänke, nicht die Geschäftsmänner).
Nur einen Tag in der Bibliothek und man läuft hinterher, noch schlaftrunken von so vielen Buchstaben und Schweigen, wie betrunken durch das Grün. Halber Wald, ein Gewirr aus wild zerstreut stehenden Apfelbäumen und rankenden, stacheligen Brombeeren.
Elitegefühl an einer Eliteuni.
Leider nur zu Besuch.

~~*~~

Hast du es gesehen?
Die Frau, die noch schnell in die U-Bahn springen wollte, direkt nach dem „Zurückbleiben bitte!“-Ruf?
Plötzlich ist die Bahn ein gelber Lindwurm, ein Monster, das sich ohne Gnade in Bewegung setzt. Technik, die versagt- ein Mensch, der versagt und ein Mensch, der verzagt.
Ganz still ist die Frau, die in der Tür steckt, als der Tunnel auf sie zurollt. Und das ganze beinahe schon gemächlich. Da schreit nur ein Student und streckt die Hände aus. Als ob es etwas brächte, dass er die Hände ausstreckt.
Die Bahn bricht der Frau das Kreuz, ihr Oberkörper schabt lautlos am Tunnel entlang. Braune, krause Haare flattern und sind schmutzig. Alles geht unter in Getöse, Lärm und Blut.
Wo kommt das Blut her?
Die Bahn hätte sie auch halbieren können. Dann würden jetzt zuckende, dunkelrote Gedärme auf den Gleisen liegen, Knochensplitter, Lebensstückchen.
Aufgesammelt werden muss sie nun so oder so, das Menschenpuzzle.

~~*~~

Ich gehöre nicht zu euch.
Ich bin nur hier, weil die Hölle überfüllt ist und sie auslagern mussten.

~~*~~

„Tut es weh?“
„Noch nicht ganz.“
Er bäumte sich auf, der Gürtel rutschte beiseite.
Erdbeerenreste klebten zwischen seinen Achseln, genau dort, wo der andere Mann bereits mit Zunge und Zähnen und Nase hing.
Und das ölige Glänzen auf dessen nasser Haut, wie ein Schillern im Schein der Mittagssonne.
Diese Szene hätte sich bei Nacht im Neonschein vielleicht besser gemacht.
„Mach´s nochmal!“
„Gut. Beschwer dich aber hinterher nicht!“
Das Aufzucken von Rot, von Blitzen vor den geschlossenen Augen.
Was er tat, war nichts Neues oder Tollkühnes, dennoch schön.
„Schon ganz wund. Bist du dir sicher?“
Er seufzte und fragte sich, ob er sich nicht doch lieber Blümchensex wünschte. Mit zärtlichem Kraulen und sanftes DurchdasHaarfahren und verliebten Küsschen zwischendurch. Das ganze Theater ohne Gelecke und Gesabbere und Gelutsche und Gebeiße.
Aber die Sonne stand zu hoch. Der Rest war zu sinnlos.
„Von mir aus kannst du ihn abbeißen.“, flüsterte er und sank zurück.
Ein Stück Erdbeere fiel aus seinem Anus.

~~*~~

„Warum sagst du nicht, was du willst?“
„Würde es etwas ändern?“
„Vielleicht? Wieso probierst du´s nicht einfach?“
„Damit ich am Ende nur noch mehr heule? Siehst du nicht, wie´s zugeht in der Welt?“
„Wir sind hier- du und ich- was soll ich denn sehen?“
„Machst du nie die Augen auf? Willst du mir wirklich erzählen, all das Leid hier würdest du nicht sehen?“
„Fängst du schon wieder mit deinem Scheiß-Weltschmerz an? Würdest du mich wecken, wenn du fertig bist?“
„Würdest du dann vielleicht richtig aufwachen?“
„Reicht es nicht, dass ich bei dir bin?“
„Und all die anderen, bei denen niemand ist? Was sollen die machen?“
„Bin ich Doktor Allwissend? Wie soll ich ein Allroundrezept für die Welt finden?“
„Du bist ein Stück dieser Welt...da sollte sich doch etwas machen lassen...“
„Hey! Das war keine Frage...“
„Richtig- das war endlich mal eine Antwort.“
9.8.08 01:10
 


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